Trascrizione
Isabella d’Este – eine Frau von großer Gelehrsamkeit, eine aufgeklärte Mäzenin und eine Schlüsselfigur im politischen Kräftespiel ihrer Zeit – war mit dem Markgrafen Francesco II Gonzaga verheiratet. Nach dessen Tod im Jahr 1519 verlegte sie ihre Residenz vom Castello di San Giorgio in die Corte Vecchia und damit in einen ursprünglich aus dem Mittelalter stammenden Bereich, der gemäß ihren praktischen Bedürfnissen und – vor allem – ihren repräsentativen Ansprüchen umgebaut worden war.
Heute ist es schwer, sich die Residenz der Witwe als einheitlichen Raum vorzustellen, weil der Bau des Korridors im 18. Jahrhundert, durch den Sie eingetreten sind, die Wohnräume in zwei getrennte Bereiche aufgeteilt hat. Ein Bereich heiß Ala di Santa Croce, der andere, in dem wir uns jetzt befinden, Ala dei Camerini. Die Zimmer – das Arbeitszimmer und die Grotte – waren Privaträume, die die Markgräfin nach dem Vorbild der 20 Jahre früher bezogenen Räume im Castello eingerichtet hatte und deren Mobiliar sie weiterverwendete.
Die Räume, die wir heute sehen, sind das Ergebnis von Restaurierungsarbeiten aus den 1930er Jahren. Dabei wurde versucht, die Raumgestaltung aus der Zeit von Isabella d’Este, die im Verlauf der Jahrhunderte Änderungen erfahren hatte, wieder herzustellen. Das Ergebnis ist ein Mix aus Elementen, die verschiedenen Epochen zugeordnet werden können.
Die Sala della Salcherìa diente als Vorzimmer und wurde 1525 von dem aus Mantua stammenden Künstler Lorenzo Leonbruno vollständig mit Fresken bemalt und im grotesken Stil mit monströsen und fantastischen Figuren, die sich mit pflanzlichen Elementen abwechselten, dekoriert. Diese Motive waren damals in Mantua sehr innovativ und knüpften an eine Modeströmung an, die in Rom Ende des 15. Jahrhunderts nach der Entdeckung von Neros Domus Aurea aufgekommen war. Die Jagdszenen in den Lünetten am Fuß des Gewölbes sind eine Metapher für ein Thema, das der Markgräfin lieb und teuer war: Die Dominanz der Leidenschaften.