Alter Innenhof und Cornàro-Treppe

Trascrizione

Seit 1539, als die akademischen Schulen der Universität Padua im Palàzzo del Bò vereint wurden, entwickelten sich der Cortìle Antìco und seine beiden übereinander liegenden Säulengänge zum pulsierenden Zentrum der Hochschule.

Und sie waren keineswegs nur ein pulsierender Mittelpunkt...Hier wird noch heute, wenn auch seltener als in der Vergangenheit, der jahrhundertealte Ritus des „Alzabàra“ zelebriert. Wenn ein Professor stirbt, wird dieser geehrt. Nach den Abschiedsreden der Kollegen und akademischen Würdenträger wird der Sarg drei Mal in die Höhe gehoben, während eine Glocke im Turm diesen Trauerritus läutend begleitet.

Natürlich hat die Hochschule in ihrer 800jährigen Geschichte eine ganze Reihe eigenartiger Traditionen entwickelt, von denen einige noch heute lebendig sind.

Ein kurzer Besuch der Ausstellung GAUDEÀMus im Cortìle Nuòvo reicht aus, um sich dessen bewusst zu werden.

Aber an der Universität Padua bricht man meistens mit Traditionen.

So erwarb in Padua die erste Frau weltweit einen Doktorgrad: Èlena Lucrèzia Cornàro Piscòpia. Ihre Statue könnt ihr am Fuß der großen Treppe, die ihren Namen trägt, sehen.

Elena wurde 1646 in einer alteingesessenen vornehmen Familie in Venedig geboren. Schon in jungen Jahren widmete sie sich ganz der Wisssenschaft und ihr Vater förderte diese Leidenschaft, in dem er ihr die besten Lehrer zu Seite stellte. Die Entwicklung der außerordentlichen Begabung der Tochter konnte der ganzen Familie schließlich großen Glanz verliehen.

Elena konnte sich mit Leichtigkeit über Theologie, Dialektik und Philosophie unterhalten und sprach nicht nur griechisch und Latein, sondern auch spanisch, französisch, arabisch und sogar aramäisch. Als sie die Verleihung des Doktorgrads im Fach Theologie beantragte, wollte der Kanzler der Hochschule, der Kardinal Gregòrio Barbarìgo, davon nichts wissen. Es sei „eine Torheit, eine Frau zum Doktor zu machen“ urteilte er. Die Mehrheit der Hochschule dachte anders und beglückwünschte Èlena, als sie am 25. Juni 1678 wirklich den Doktortitel erhielt. Aber nicht in Theologie, sondern in Philosophie.

Ihre außergewöhnliche Begabung brachten Èlena Lucrèzia den Respekt eines akademischen Umfelds ein, das noch lange, wie viele andere, die männliche Vormachtstellung bewahrte. Èlena starb früh im Alter von 38 Jahren. Ihr Grab befindet sich in der Basìlica di Ѕànta Giustìna.