Trascrizione
Die spätgotische Malerei in diesem Saal wurde erst 1964 entdeckt.
Davor verbargen mehrere Farbschichten aus der darauffolgenden Epoche dieses Kunstwerk, die erst abgetragen werden mussten, um die grandiose Wandmalerei von Antonio Pisàno, der unter dem Namen Pisanello bekannt ist, zum Vorschein zu bringen. Die Entdeckung und die Freilegung der Reste der ursprünglichen Wanddekoration sind dem damaligen Direktor des Herzogspalastes Giovanni Paccagnìni zu verdanken.
Heute fällt es schwer, den außerordentlichen Wert von Pisanellos Malerei zu verstehen. Wir laden Sie dazu ein, die Bilder mit ihrer eigenen Vorstellungskraft zu vervollkommnen. Wählen Sie leuchtende Farben, aber auch silberne und goldene Farbtöne, um den Glanz der Rüstungen und die Waffen der Ritter zur Geltung zur bringen.
Als einer der bekanntesten Vertreter der europäischen Gotik arbeitete der um 1395 geborene Pisanello im Verlauf seiner erfolgreichen Karriere in Venedig, Rom, Ferrara und Neapel für Papst Martin V und die bedeutendsten Auftraggeber dieser Zeit.
Der Auftraggeber dieses Zyklus war Gian Francesco Gonzaga, dem Kaiser Sigismund 1433 den Titel eines Markgrafen oder Marchèse verlieh. Vielleicht sollte die Dekoration diese Ernennung feiern.
Inhaltlich bezieht sich die Malerei auf das Epos Lancelot en prose aus dem bretonischen Zyklus. Dabei geht es um ein Turnier, in dessen Verlauf Lancelots Cousin Bohòrt vor dem Schloss des Königs Brangoire 60 Ritter besiegt.
Wenn Sie mit dem Rücken zu den Fenstern stehen, wird Ihnen der Unterschied zwischen der rechten Wand, auf der die Turnierszene abgebildet ist, und den Wänden auf der linken Seite und über dem Kamin auffallen. Dieser Bereich ist mit eleganter und formvollendeter roter Malerei bearbeitet.
Die Ausarbeitung ist sehr detailliert und weist mehreren Inschriften auf. Auserlesene gotische Buchstaben identifizieren die abgebildeten Ritter. Möglicherweise musste der Künstler den Zyklus in kurzer Zeit fertigstellen, wollte aber auf diesen Effekt der Vollendung nicht verzichten.
Im Fries, das die bemalte Wand oben einrahmt, sehen Sie eine Imprese oder ein heraldisches Zeichen. Dargestellt sind Halsbänder mit Anhängern in Form eines Schwans aus dem Wappen der Lancaster, das Gian Francesco Gonzaga 1436 zugeeignet wurde, aber schon in früheren Jahren in Gebrauch war.
Und der Auftraggeber? Auch der ist hier dargestellt – als Ritter, unten ganz rechts. Sein heute kaum noch lesbarer Name steht auf dem Zaumzeug des Pferdes.