Trascrizione
Das Appartamento degli Aràzzi liegt am Giardino d’Onore. Um 1780 baute der Architekt Paolo Pozzo diese Räumlichkeiten radikal um. Die Zimmer wurden derart gestaltet, dass sie eine wertvolle Serie aus neun Wandteppichen aufnehmen konnten.
Pozzo setzte dabei Stuck aus den Reliefs antiker römischer Sarkophage, bemalte Decken, Wandverzierungen im antiken Stil und Gemälde ein und schuf damit ein Ensemble, das sich an einem ebenso frühen wie kohärenten neoklassischen Stil orientierte.
Die neun Wandvorhänge wurden in Brüssel geknüpft und sind in drei Zimmern untergebracht. Als Bildvorlagen dienten Szenen, die der große Raffaello Sànzio im Auftrag von Papst Leo X auf Karton für eine Serie entworfen hatte, die für die Sixtinische Kapelle bestimmt war. Sieben dieser Originalkartone werden heute im Victoria and Albert Museum in London aufbewahrt.
Raffaels Kartone, die nach dem Tod des Künstlers in Flandern blieben, wurden auch in anderen Webarbeiten verarbeitet. Von diesen Nachbildungen ist die Sammlung in Mantua wahrscheinlich die Bedeutendste. Die Wandteppiche wurden um 1550 vom Kardinal Èrcole Gonzaga erworben. Vor seinem Tod übergab er sie der Basilica Palatìna di Sànta Barbara. 1776 wurden sie für den Herzogspalast angekauft und 1780 von Antonia Carrè Lorenzìni restauriert. Danach brachte man sie im umgebauten Appartamènto degli Arazzi unter.
1866 ließ sie Kaiser Franz Josef I nach Schloss Schönbrunn in Wien bringen und erst 1919 – nach dem Ende des Ersten Weltkriegs – kehrten sie nach Mantua zurück.
Die Wandteppiche illustrieren Geschichten aus den Leben der Heiligen Peter und Paul aus den Akten der Aposteln. Im ersten Raum - der auch der Raum des Adlers genannt wird – sehen Sie, wenn sie mit dem Rücken zum Fenster stehen, die ersten drei Webarbeiten der Serie: Rechts Die Steinigung des Heiligen Stephan, in der Mitte Die Bestrafung des Elymas und links Der wunderbare Fischzug. Die zentrale Szene ist von Zierstreifen umgeben, oben auf den vertikalen Borten sieht man das auf einen im Nachhinein eingefügten Stoff genähte Wappen des Kardinals Ercole. Das beweist, dass diese Wandteppiche in Serie gefertigt wurden und dass man das Wappen des Käufers erst später ergänzte. Auf dem linken Wandteppich, der als einziger nicht einrahmt ist, sieht man auf dem unteren blauen Band der Webkante das Siegel eines doppelten B, das die Werkstatt in Brüssel 1528 angebracht hat.