13. Das tropische Gewächshaus

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Wir befinden uns hier im Gewächshaus des Regenwalds. Tropische Pflanzen mögen regelmäßigen und ausgiebigen Regen in Kombination mit konstant hohen Temperaturen im gesamten Jahresverlauf. Das sind Bedingungen, die wir in den Tropen vorfinden – und in diesem Gewächshaus. Du solltest wissen, dass die Regenwälder zwar nur 10 Prozent der Erdoberfläche bedecken, aber 70 Prozent der weltweiten Artenvielfalt beherbergen.

In den Tropen sind die Bäume sehr hoch, manchmal über 40 Meter. Auch deshalb ist dieses Gewächshaus das größte im ganzen Garten. Diese Giganten sind immergrüne Pflanzen und nehmen dem Unterholz das Licht weg. Deshalb ist es am Boden fast dunkel. Einige Pflanzen haben sich daran angepasst und können mit wenig Licht überleben, aber andere...sind hochgeklettert, um an das wenige verfügbare Licht zu kommen, wie die berühmten Lianen, oder nutzen die Äste der Bäume als Halt und hängen herunter. Das sind keine parasitären Pflanzen, sondern Epiphyten, was dann auch bedeutet „die auf den Bäumen lebt“.

Hängend leben! Aber wie geht das? Einige dieser Bromelien haben zum Beispiel leuchtende Blüten, um Bestäuber wie etwa die berühmten Kolibris anzulocken. Und sie haben lange spiralförmige Blätter, die eine Art Trinkbecher formen. In diesen kleinen Miniaturseen sammeln sie Regenwasser und Nährstoffe. 

In der Natur leben in diesen von den Bromelien geschaffenen Mini-Lebensräumen noch andere Pflanzen, manchmal fleischfressende wie die Wasserschläuche oder Utricularia sowie Algen, Libellen und Frösche, die dort ihre Eier ablegen, aus denen dann Kaulquappen, Vögel oder Schlangen auf der Suche nach Wasser schlüpfen. 

Hängende kleine Seen. Nicht schlecht, oder? Die Bromelien tragen Namen wie Neoregelia, Guzmania und Nidularium, die dir nicht geläufig sein werden. Einen Namen kennst du aber sicher: Die Ananas, eine der ersten Bromelien, die nach Europa kamen. Sie wurde von präkolumbianischen Völkern angebaut und Christoph Kolumbus erwähnte sie, als er sie 1439 in Guadeloupe sah. In Europa weigerte sich König Karl V., sie zu kosten. Er fürchtete, sie wäre giftig.

Andere Epiphyten, die du kennst, sind die Orchideen und unter diesen Orchideen gibt es eine – und vielleicht weißt du das noch gar nicht – die du regelmäßig in der Küche benutzt: Die Vanille, eine kletternde Orchideenart aus Südamerika. In ihrem natürlichen Lebensraum formt die Vanille nach der Bestäubung durch eine Bienenart, die Melipona heißt, eine Schote. Wenn diese Pflanzen woanders angebaut werden, muss man sie künstlich bestäuben. Der erste, dem das in Padua gelang, war der Präfekt Roberto de Visiani. 1844 veröffentlichte er einen Text über die „Kultivierung und Fruktifikation der Vanille“ und teilte seine Entdeckungen damit – anstatt diese kommerziell zu nutzen – mit anderen Wissenschaftlern.

Dieses Gewächshaus ist großartig und verpass nicht den Kakao oder die Bananen. Und halte auch nach dem wunderschönen Fächer des „Baums der Reisen“ Ausschau, der immer in eine ganz bestimmte Richtung wächst.
Viel Vergnügen.