Das Erbe des Simon von Trient

Trascrizione

Zusammen mit dem Besuch im Tridentinischen Diözesanmuseum schließen wir auch diese Hörreise mit der Erzählung der dunkelsten Seite der Geschichte des Fürstbistums ab, die mit dem kleinen Simon verbunden ist. Wenn Du es noch nicht getan hast, höre dir bitte die vorherigen Abschnitte dieses Audioführers an, um mehr über die tragische Geschichte und die darauffolgenden dramatischen Ereignisse zu erfahren.

Es wird gesagt, dass bereits vier Tage nach dem Tod des Kindes in der Kirche San Pietro, wo sein kleiner lebloser Körper lag, der Simon sein erstes Wunder vollbrachte. Der Ruf des Wunderheilers verbreitete sich schnell und viele Pilger kamen aus verschiedenen Teilen des Landes, um Gnade zu erbitten, und ließen im Gegenzug Geldspenden, Metall- oder Silbervotive, Kerzen und andere Wachsobjekte zurück. Die drei Anhänger, die in diesem Schaukasten ausgestellt sind, wurden wahrscheinlich von angesehenen Pilgern gespendet und schmückten den Leichnam des Kindes, wie auch auf dem Bild zu sehen ist, welches diese Hörreise begleitet.

In den letzten Jahrhunderten des Mittelalters war es nicht ungewöhnlich auf Heilige zu stoßen, die auch ohne die Bestätigung durch die Kirche in Rom vom gläubigen Volk als solche angesehen wurden. Dank der geschickt vom Bischof Hinderbach orchestrierten propagandistischen Maschinerie, breitete sich der Kult des Simonino bald auf andere Gebiete in Mittel- und Norditalien sowie in Deutschland aus. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts bestätigte Papst Sixtus der Vierte eine "de-facto"-Situation und sprach Simonino heilig.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, dank des Klimas der Öffnung für den interreligiösen Dialog, das vom Zweiten Vatikanischen Konzil gefördert wurde, enthüllte eine unabhängige, vom damaligen Bischof von Trient, Alessandro Maria Gottardi in Auftrag gegebene Studie, die Verzerrungen im Prozess von 1475, prangerte diese an und stellte die historische Wahrheit wieder her. Am 28. Oktober 1965 hob die Kirche offiziell den Kult des falschen "Seligen" auf und der damalige Direktor des Diözesanmuseums, Monsignore Iginio Rogger, begrub schließlich die Überreste des Kindes an einem Ort, der bis heute geheim gehalten wird.

Obwohl mehr als 500 Jahre vergangen sind, hat diese traurige Geschichte uns immer noch viel zu lehren. Die Angst vor dem Anderssein, das Bedürfnis, einen Schuldigen zu finden, um die tragischsten Ereignisse zu erklären, sind auch heute noch Fallstricke der menschlichen Seele, die nur Toleranz und Respekt, historisches Bewusstsein und eine gerechtere und inklusivere Gesellschaft verhindern können.