Trascrizione
Zwischen dem Mittelalter und der Neuzeit in Europa waren die Juden oft Gegenstand der sogenannten "Blutbeschuldigung", einem Gerücht, das in Aberglauben und Vorurteilen verwurzelt war und sie verantwortlich machte für die angebliche Entführung, Folter und rituelle Tötung von christlichen Kindern während der Osterwoche, um ihr Blut für magisch-religiöse Praktiken zu verwenden.
Diese Verleumdung fasste zahlreiche antijüdische Stereotypen zusammen, wie beispielsweise die Anschuldigung des Gottesmordes und wurde von einer generellen "Angst vor dem Anderen" genährt, sowie auch von der franziskanischen Predigt jener Zeit, welche jene verurteilte, die Zinsen nahmen.
In diesen Kontext fügt sich Simon ein, ein unglückliches Kind, über das wir am Anfang dieses Besuchs gesprochen haben - für die Einzelheiten der Geschichte lade ich dich ein, den Abschnitt über Bischof Hinderbach zu hören, falls du es noch nicht getan hast.
Die Leiche des Jungen wurde noch am selben Tag seines Auffindens auf dem Altar der Kirche San Pietro in Trient ausgestellt und war sofort Gegenstand volkstümlicher Verehrung. Gerade vom Altar dieser Kirche stammt das Relief aus Holz, das zu Beginn des 16. Jahrhunderts gefertigt wurde und in diesem Raum zu sehen ist. Es stellt das angebliche Martyrium dar, wie es in den Geständnissen der Angeklagten beschrieben wird, deren Aussagen alle durch Folter erpresst wurden.
Obwohl die Dynamik des Prozesses bereits damals bei einigen Bürgern und später auch beim päpstlichen Gesandten Zweifel aufgeworfen hatte, der darüber entscheiden sollte, ob Simon seliggesprochen werden sollte oder nicht, breitete sich der Kult um das unglückliche Kind sehr schnell aus. Papst Sixtus der Vierte lehnte es ab, ihn 1475 heilig zu sprechen, aber 1584, dank des Eingreifens des Fürstbischofs Ludovico Madruzzo, wurde Simons Name in das Martyrologium Romanum aufgenommen, was eine "Tatsache" bestätigte.