Trascrizione
Martino Teofilo Polacco erwies sich als der sensibelste Interpret der gegenreformatorischen Bestrebungen von Carlo Gaudenzio Madruzzo, dem Fürstbischof von Trient zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Der Künstler, dessen Herkunft unbekannt ist, absolvierte eine Ausbildungszeit in Mittel- und Osteuropa, was ihm sein Pseudonym einbrachte, bevor er nach Venedig zog, wo er mit dem venezianischen Kolorismus jener Zeit in Kontakt kam.
Gegen 1600 nach Trient gekommen, wurde der Künstler von Madruzzo im Schloss Buonconsiglio untergebracht, von wo aus er bis mindestens 1621 für den bischöflichen Hof und die Kirchen der Diözese tätig war. Danach zog er zunächst über die Alpen und schließlich nach Brixen.
Die zahlreichen Altarbilder aus seiner Trienter Zeit sowie die Dekoration des Heiligtums der Inviolata in „Riva del Garda“ zeichnen sich durch einen betonten und großartigen Stil aus, in dem Polacco sowohl die venezianischen Lehren von „Jacopo Palma il Giovane“ als auch einen typisch nordeuropäischen Ausdruckskanon verarbeitet. Die Verwendung intensiver und lebhafter Farben, die Schaffung von stimmungsvollen und suggestiven Atmosphären und die Dramatik der Figuren werden in seinen Werken durch deutliche Anklänge an flämische Drucke ausgeglichen, welche oft durch komplexe Kompositionen und reiche erzählerische Details gekennzeichnet sind.
Ein Beispiel dafür sind die beiden hier ausgestellten Predellen, die rechteckigen Tafeln, die den unteren Sockel von zwei, ursprünglich im Dom befindlichen, Altarbildern bildeten. Die erste, Teil des Altars von San Cristoforo, zeigt das Leben der heiligen Märtyrerin Dorothea und die Bekehrung von Theophilus. Die zweite, Teil des Altars der Himmelfahrt, stellt Episoden aus dem Matthäusevangelium dar: links das Massaker der Unschuldigen und rechts die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten.