Trascrizione
Seit dem Risorgiménto beteiligten sich Studierende der Hochschule aus Padua an nationalen und internationalen Konflikten. Darauf wies schon das Selbstportrait von Attìlio Sèlva im Cortìle Nuovo hin. In einem noch feierlicheren Ton erinnert der Hof der Helden an diese Tradition.
Das Tor aus Bronze wurde aus eroberten und später geschmolzenen Kanonen aus dem Ersten Weltkrieg gefertigt. Es schirmt die Namen von 116 Opfern, die ihr Leben im Kampf gegen den Nazifaschismus verloren, vor dem hektischen Treiben der Stadt ab. Unter ihnen befindet sich auch der Partisanenkommandant Prìmo Visentìn mit dem Kampfnamen „Masàccio“, der in Padua Kunstgeschichte studiert hatte. Ihm ist die Statue Palinuro von Artùro Martìni im Mittelpunkt des Eingangsbereichs gewidmet.
Aufgrund dieses Engagements wurde die Universität – als einzige Hochschule in Italien – mit einer Goldmedaille für militärische Verdienste ausgezeichnet.
Die vom Mailänder Architekten und Designer Giò Pònti entworfene Treppe des Wissens verleiht mit ihren polychromen Stufen und einem Fresco, das „die Fortentwicklung der Menschheit durch Kultur“ preist, Hoffnung. Die von einem Studenten, der seine Ausbildung beendet, personifizierte Allegorie begleitet uns bis zum Treppenaustritt, wo sich die Alma Mater befindet, deren Füße sich auf die berühmtesten Bücher aus der Hochschule stützen. Dort ist auch ein Sieb als Symbol dafür abgebildet, dass die Universität nur die Besten fördert.
Das im Sieb angebrachte Loch mit dem Brief eines Ministers – eine Anspielung auf unerlaubte „Empfehlungen“ – löste bei der ersten öffentlichen Vorstellung des Freskos zahlreiche Diskussionen aus. Die Universität kann sich auch selbst kritisieren – und auch das ist ein wichtiger Aspekt der patavina libèrtas.
Hinter der Tür am oberen Ende der Treppe arbeitet das Rektorat der Universität Padua. Der Palàzzo del Bò ist nach wie vor ein wichtiger Bezugspunkt für die Hochschule, wenn auch mit dem gebotenen Respekt vor seiner jahrhundertealten Struktur.
Deshalb kann das Rektorat nur an den Wochenenden besichtigt werden. Ihr müsst jetzt aber nicht verzweifeln. Wenn ihr an einem Werktag kommt, findet ihr im Palàzzo Liviàno weitere Beispiele für Giò Pòntis Kreativität.