Trascrizione
Der Saal der Fakultät für Medizin und Chirurgie ist einer der ältesten Räume im Palàzzo del Bò. Seine ursprüngliche Struktur aus dem 12. Jahrhundert ist älter als das Hospitium Bovis. Spuren des alten Gebäudes sind an der Decke und in den Überresten der dekorativen Fresken auf den Wänden immer noch sichtbar.
Die „Anatomien” an der Südwand sind das – deutlich jüngere – Werk von Achìlle Fùni, von dem auch das 1942 vollendeten Fresko am Eingang stammt. Dargestellt wird dort die Göttin Fama, die den Namen von Morgàgni in das Buch der Geschichte schreibt.
Giovànni Battìsta Morgàgni war von 1711 bis 1771 Professor für Anatomie in Padua. Und mit gutem Recht gilt er als der Gründer der modernen Medizin, weil es ihm gelang, zu zeigen, dass die empirische Untersuchung des menschlichen Körpers unverzichtbar ist, wenn es darum geht, die Ursache von Krankheiten zu ermitteln und diese zu heilen. Bis dahin hatte die von Andrèa Vesàlio entwickelte Anatomie keine praktischen Auswirkungen auf die klinische Medizin, die sich noch auf Theorien aus der griechischen Antike stützte.
Viele der Bilder an den Wänden beziehen sich auf Morgagnis Studien. Einige der portraitierten Persönlichkeiten – wie der Professor und Rektor der Hochschule von 1835 bis 1836 Floriàno Caldàni, – sind in diesem Raum noch heute vertreten...zumindest teilweise. In dem Schaukasten auf dem Boden seht ihr mehrere Schädel: Der Legende nach wurden sie von Professoren gestiftet. Eine kürzlich vorgenommene Untersuchung hat allerdings ergeben, dass es keine Belege für eine derartige Willensäußerung gibt. Es war wohl eher so, dass der Anatomieprofessor Francèsco Cortèse mit den sterblichen Überresten seiner Vorgänger und Kollegen eine private Sammlung aufbauen wollte.
Cortèse nutzte diese Schädel, um seine Studien der Phrenologie zu vertiefen – eine Pseudowissenschaft, laut der es möglich ist, aus der Form des Schädels Rückschlüsse auf die intellektuellen Fähigkeiten und die Persönlichkeit eines Individuums zu ziehen. Welche Erkenntnisse ihm der Schädel von Floriàno Caldàni suggerierte, bleibt ein Rätsel.