Trascrizione
In diesem Raum befinden sich sehr viele merkwürdige Objekte, die auch mit einem Vergrößerungsglas betrachtet werden können. Es handelt sich dabei um Lehrmittel, die im 19. und 20. Jahrhundert von Professoren und Studenten des botanischen Instituts in Padua verwendet wurden, um die Pflanzenwelt zu studieren.
Wie studierte man damals im botanischen Garten? Die Studierenden mussten alles über Pilze, Samen und Bäume, Nutzpflanzen und das Unkraut wissen. Sie mussten in der Lage sein, Details, Formen und besondere Präparate zu erkennen.
Hier findet ihr die centùrie von Raffaello Sernagiotto – zu Lehrzwecken verwendete Schachteln aus dem frühen 20. Jahrhundert. Jede Schachtel enthält Samen und Früchte in unterschiedlichen Formen, Farben und Größen, die alle aus Italien stammen. Diese Sammlung betrifft nur häufig vorkommende Arten und bietet damit ein genaues Abbild der vor mehr als einem Jahrhundert vorhandenen Biodiversität.
Zu den Lehrmitteln gehören auch die von Carlo Avogadro degli Azzoni in den 1830er Jahren hergestellten Pilze aus Bienenwachs und die zirka 40 Jahre später von Egisto Tortori angefertigten Pilze aus Ton. Die Sammlung mit Schnittpräparaten von Holzgewächsen geht auf Überlegungen von Adriano Fiori zurück, der diese den im Herbarium konservierten Exemplaren zur Seite stellen wollte, um das Studium der Bäume und Sträucher zu fördern. Dafür entwarf er ein spezielles Mikrotom – eine Maschine, mit der er von 1905 bis 1927 weniger als einen Zentimeter dünne Längs- und Querschnitte erstellte. Diese aus 215 Exemplaren bestehende Sammlung wird in Padua vollständig und im Originalzustand aufbewahrt.
Die in diesem Raum ausgestellten sechs botanischen Lehrposter stammen aus dem späten 19. Jahrhundert. Sie sind das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit zwischen Künstlern, Wissenschaftlern und Verlegern. Die illustrierten Themen reichen von den exotischen Pflanzen über Formen der Samenausbreitung und Strategien zur Bestäubung bis zur Morphologie des inneren Gewebes.
Die Scheiben der Holzgewächse zeigen, wie man eine Art anhand des Aussehens und der Farbe bestimmen kann, wenn sie kein Laub trägt. Noch heute sind die Schnittpräparate und die Rinde, die sie umgibt, für die Studierenden der Forstwissenschaft sowie für Handwerker bedeutsam, die sich über die Farbe, die Härte und die Dichte des Materials informieren wollen, mit dem sie arbeiten.
Und dann gibt es die Samen. Zum Beispiel die „Coco de mer“, die als Treibgut im Indischen Ozean entdeckt wurde. Es handelt sich dabei um den Samen einer Palme, die nur auf einigen Inseln der Seychellen wächst und die größten Samen in der Pflanzenwelt produziert – jeder Samen kann bis zu 25 Kilogramm schwer werden! Die starke Ähnlichkeit mit weiblichen Hüften führte im Mittelalter dazu, dass man in diesen Samen aphrodisische Kräfte vermutete. Kleiner, aber nicht weniger bedeutend, sind die Samen von Zier-, Nutz- und Heilpflanzen oder von häufig vorkommenden Arten, die in den mehr als 16.000 Reagenzgläsern lagern, die zum Bestand des Museums gehören.
Dieses dank der Zusammenarbeit zwischen den Parks und den botanischen Gärten in Italien aufgebaute Archiv ist auch eine wertvolle Datenquelle für die Rekonstruktion alter Anbaumethoden.