5. Galerie der Herbarien

Trascrizione

Was sind Herbarien und wozu braucht man sie? Wann ist die Pflanzensammlung in Padua entstanden? Diese Galerie erzählt anhand von Exemplaren aus dem Herbarium in Padua die vielen Geschichten der Pflanzen und berichtet von den Menschen, die sie gesammelt haben.

Die ersten Herbarien entstehen in der Mitte des 16. Jahrhunderts. Man kann sie wie Bücher durchblättern – allerdings sind auf den einzelnen Seiten getrocknete Pflanzen festgeklebt. Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts wird das Herbarium durch den Einfluss des Naturforschers Carl von Linné zu einer Sammlung von Pflanzen auf Papierblättern, die in Schränken aufbewahrt werden. Damit entsteht das Herbarium wie wir es heute kennen, mit dem wissenschaftlichen Namen der jeweiligen Art und dem Namen des Sammlers sowie mit Angaben zum Ort und zum Zeitpunkt des Fundes. In den botanischen Gärten der ganzen Welt sind die Herbarien eine unerschöpfliche Quelle von Informationen über die Pflanzen von gestern und heute.

In Padua entsteht das Herbarium drei Jahrhunderte nach der Gründung des Botanischen Gartens. Genauer gesagt im Jahr 1835, gemäß einem Wunsch des Präfekten Giuseppe Antonio Bonato. Dieser schenkt der Universität sein Herbarium und seine Bibliothek. Es ist sein Verdienst, dass auch die Pflanzen und die Bücher seines Vorgängers Giovanni Marsili in diese Sammlung aufgenommen werden. Die Botanik hatte sich da bereits als autonome Disziplin von der Medizin gelöst und das Herbarium galt als unverzichtbares Instrument für das Studium der Pflanzen. Mit den Jahren wuchs die Sammlung bis zu ihrem heutigen Umfang von 700.000 Exemplaren an. Damit ist das Herbarium in Padua eine der wichtigsten Pflanzensammlungen in Italien.

Eine besondere Aufmerksamkeit verdient das Herbarium des 1896 in Ferrara geborenen Malers Luigi Tiberelli, der unter seinem Künstlernamen Filippo de Pisis bekannt wurde. Schon in seiner Jugend begeistert er sich für Naturwissenschaften und sammelt auf langen Spaziergängen Muscheln, Schmetterlinge, Mineralien und Pflanzen. Mit noch nicht einmal 20 Jahren erstellt de Pìsis ein Herbarium mit 1.200 Pflanzen aus der Emìlia Romàgna, dem Vèneto und der Toskàna. Diese Exemplare ergänzt er häufig mit Zeichnungen oder schriftlich formulierten Gedanken. 1917 schenkt der Künstler sein Herbarium dem botanischen Garten in Padua.

Die Herbarien helfen uns, die enge Beziehung zwischen Kunst und Natur besser zu verstehen. So haben Pflanzen auf Gemälden oder Wandfresken oft eine allegorische, symbolische, mythologische oder religiöse Bedeutung. Sie können sich auf eine Person beziehen, mit der die Pflanze mit einer verschlüsselten Symbolik verbunden ist. Ein Geißblatt symbolisiert beispielsweise die Treue. Den Heiligen Antonius begleitet eine Lilie, deren makelloses Weiß auf dessen Reinheit und Güte verweist

Andererseits ist die bildliche Darstellung seit jeher ein fundamentales Element der Botanik und der Medizin. Am Ende der Galerie der Herbarien befindet sich eine Auswahl von alten Fachtexten, die ein interaktiver Tisch ergänzt, an dem die illustrierte Geschichte der Botanik, der Medizin und der westlichen Anatomie in 12 Etappen verfolgt und studiert werden kann – ausgehend von der Antike, mit Abstechern in die Stadt Padua und zu ihrer Universität, bis zum 18. Jahrhundert.