Trascrizione
Wir befinden uns hier im ältesten Teil des Gartens. Das Gelände wurde 1545 von den Mönchen des Klosters Santa Giustina für zwei Dukaten pro Jahr angemietet. Es liegt nur wenige Schritte von der Piazza del Santo entfernt und in der Nähe eines Kanals der Alicorno genannt wird.
Dir werden sicher die Mauern aufgefallen sein, die einen Kreis bilden. Sie wurden wenige Jahre nach der Gründung des Gartens errichtet, und zwar aus dem denkbarsten aller Gründe: um Diebstähle zu vermeiden. Die Pflanzen waren allgemein begehrt, entweder weil sie in der Tat selten waren oder aufgrund ihrer Eigenschaften: der Fingerhut, der Schierling oder der Eisenhut sind zum Beispiel tödliche Gifte.
Die Mauern wurden im Verlauf des 18. Jahrhunderts instandgesetzt und verziert. Über die Pfeiler der vier Eingangstore stellte man steinerne Vasen – die so genannten acrotèri – die mit Nachbildungen von Pflanzen, die damals als selten galten, dekoriert wurden.
Jetzt zeige ich dir noch etwas anderes: im Kreis befindet sich ein Quadrat. Es ist in vier Bereiche aufgeteilt und hier sind die Pflanzen präzise, rational und systematisch angeordnet. Entlang der kreisförmigen Mauern folgt deren Positionierung eher bestimmten Themen: Hier findest du die botanischen Sammlungen mit sehr wertvollen Pflanzen, die selten oder vom Aussterben bedroht sind, Heilpflanzen und die Pflanzen aus den Euganeischen Hügeln.
Wenn du genau hinschaust, siehst du, dass sich jede Pflanze in einem kleinen Bereich, der parcella, befindet und ein eigenes Hinweisschild hat, auf dem die Gärtner handschriftlich den wissenschaftlichen Namen, die Pflanzenfamilie, die Herkunft und im Fall der Heilpflanzen auch Informationen zu ihrer Verwendung angeben.
Der alte Garten verfügt also über eine präzise Ordnung. Diese ist allerdings nicht das Ergebnis einer genauen Planung. Ausschlaggebend war vielmehr die spontane Vereinigung von Pflanzen aufgrund ihrer Eigenschaften und das Bedürfnis, neue praktikable Lösungen zu finden. Das Projekt stammt von Francesco Bonafede, der, wie du schon weißt, der Schöpfer des Botanischen Gartens ist, von seinem Kollegen, dem Dozenten der Medizin Pietro da Noale, und von einem ehemaligen Studenten, dem Architekten Daniele Barbaro. Baumeister war Andrea Moroni, der in Padua die wichtigsten architektonischen Arbeiten aus dieser Zeit schuf, wie den Cortile Antico des Palazzo Bo, in dem der Sitz der Universität untergebracht ist.
Bei den Arbeiten im 18. Jahrhundert, von denen wir bereits gesprochen hatten, wurden neben der Instandhaltung der Mauern auch Brunnen angelegt und die Kieswege erhöht, um den Garten vor Überschwemmungen zu schützen. Das Wasser wurde über Bleirohre aus dem Kanal Alicorno abgeleitet. Heute stellt ein 300 Meter tiefer artesischer Brunnen die Versorgung mit Wasser sicher, das hier eine konstante Temperatur von 24 Grad aufweist. Daher können subtropische Wasserpflanzen unter freiem Himmel und auch im Winter kultiviert werden.
Aber kehren wir in den Mittelpunkt des Gartens zurück. Nimm dir etwas Zeit, um den Ginkgo und die Magnolie zu suchen. Sie sind hoch und unverwechselbar.
Unsere Magnolia grandiflora kam 1786 in den Garten und ist eine der ältesten in Italien und in Europa. Ich bin mir nicht sicher, ob du weißt, dass die Magnolie nach dem französischen Naturforscher und Direktor des botanischen Gartens in Montpellier Pierre Magnol benannt wurde. Die Bezeichnung „grandiflora“ beschreibt die riesigen und stark duftenden Blätter.
Bei unseren Ginkgo biloba wissen wir genau, dass er seit 1750 hier steht und zu den ersten Exemplaren gehörte, die nach Italien kamen. Du solltest wissen, dass der Gingko – eine sehr alte Art, die seit 250 Millionen Jahren existiert – diözisch ist: Das bedeutet, dass es weibliche und männliche Gingko-Pflanzen gibt. Unsere ist allerdings etwas Besonderes, und zwar ein männliches Exemplar, dem ein weiblicher Ast aufgepfropft wurde, der jedes Jahr Früchte trägt. Um genau zu sein – und wir Botaniker sollten das ja sein – sind es eigentlich keine Früchte. In seiner weiblichen Form produziert der Gingko Strukturen, die aussehen wir Aprikosen. In Wirklichkeit sind das aber Samen, die ein schöner, aber übelriechender Fleischmantel umgibt.