Trascrizione
Hier steht sie, hinter dieser alten Sonnenuhr, geschützt von einem Gewächshaus: Eine Palme mit einer Biografie, die nicht nur interessant, sondern auch einzigartig ist-
Zuerst einmal ist die die älteste Pflanze des Gartens. Sie wurde 1585 gepflanzt.
Und dann gehört sie zu der einzig wild wachsenden Palmenart in Italien! Du findest sie in Sizilien und auf Sardinien und, etwas seltener, an den Küsten in der Toskana, in Latium und in Kampanien.
In der Natur wächst sie nur wenig, auch wenn du dir das kaum vorstellen kannst, wenn du sie hier siehst. Tatsächlich wird sie „Zwergpalme“ genannt – aber auch ihr wissenschaftlicher Name Chamaerops humilis bedeutet „kleiner schlichter Strauch“.
Unsere Palme ist 12 Meter hoch. So viel zur Zwergpalme! Wie hat sie das geschafft? Wir haben sie von Anfang an verwöhnt: Sie hat immer in einem Gewächshaus gelebt.
Wir nennen sie die Goethe-Palme! Ja sicher, denn sie ist so unglaublich, dass sie auch Johann Wolfgang Goethe auf seiner Italienreise, die ihn am 27. September 1786 nach Padua führte, beeindruckt hat.
Damit beteiligte sich unser Garten, wieder einmal, an der Erneuerung der Naturkunde.
Goethe beobachtete die Palme und richtete seinen Blick auf das Aussehen der Blätter. Indem er diese von unten nach oben betrachtete, stellte er fest, dass einige Blätter eine einfache und längere Form aufweisen – das sind die jüngsten. Die älteren Blätter gleichen einem Fächer wie die gespreizten Finger einer Hand. Im Verlauf ihres Lebenszyklus nimmt die Palme also unterschiedliche Formen an, nicht nur im Stamm, sondern auch in den Blättern.
Diese Beobachtung führte Goethe zu der Annahme, dass die Pflanze aus anatomischen Formen bestehen müsse, die auf ein einziges ursprüngliches Element zurückzuführen sind. Aus diesem Element, das Goethe in den Blättern gefunden zu haben glaubte, entwickeln sich demnach in den nachfolgenden Veränderungsprozessen die Strukturen der Pflanze.
Stellt euch vor, aufgrund seiner Beobachtungsgabe war Goethe in der Lage, eine vergleichende Methode zur Anatomie der Pflanzen zu entwickeln, die er Morphologie nannte.