Trascrizione
Hier stehen wir vor dem Gebäude, das ursprünglich das Haus des Präfekten war. Die Position des Präfekten ist den wissenschaftlichen Leitern des Botanischen Gartens vorbehalten.
Zu den Aufgaben eines Präfekten gehörte die Erhöhung der Anzahl der kultivierten Arten. Am Anfang sammelte man nur Pflanzen, die für medizinische Zwecke geeignet waren und danach auch Arten von wissenschaftlichem Wert.
Erst später – im Jahr 1700 – entstand die Pflanzenkunde als eigenständige Wissenschaft. Der große Linné systematisierte das Studium der Pflanzenwelt und stand mit den Präfekten in Kontakt, die sich von Padua aus aktiv an der akademischen Debatte beteiligten.
Linnés Wertschätzung für die Präfekten in Padua war so groß, das er einige Pflanzenarten nach ihnen benannte. Oder sogar ganze Pflanzengattungen. So trägt die „Pontederia“ – eine Wasserpflanze – den Namen des Präfekten Giulio Pontedèra
Die Liste der vom Garten nach Italien importierten Pflanzen ist lang und bedeutsam: Die Sonnenblume, die Robinie, der Flieder und sogar die Kartoffel. Pietro Arduino – seit 1763 Professor der Ackerbaukunde an der Universität Padua und gleichzeitig Präfekt des Gartens – machte die Kartoffel zu seinem bevorzugten Studienobjekt. Wie du schon verstanden haben wirst, waren die Präfekten dynamische und sogar abenteuerlustige Menschen, die selbst auf Reisen gingen, um nach neuen Arten zu suchen.
Einer davon war Prospero Alpini. Er war ein „Feldforscher“ und das bedeutet, dass er ständig den Orient, Ägypten und viele andere Weltgegenden bereiste und dort nach Arten Ausschau hielt, die bis dahin noch nicht beschrieben worden waren. Diese Exkursionen – und denk daran wie abenteuerlich das Reisen in dieser Zeit gewesen sein muss – finanzierte die Universität und vor allem die Republik Venedig. Schon in den Gründungsurkunden des Gartens bezog man sich ausdrücklich auf die Inseln Kreta und Zypern, die damals im Einflussbereich Venedigs lagen und seit der Antike zu den wichtigsten Zentren für die Produktion und den Verkauf von Gewürzen und Heilpflanzen gehörten.
Aber das Sammeln von Pflanzen reichte nicht aus: man musste auch deren Überleben sichern und besondere klimatische Bedingungen bereitstellen. Deshalb baute man im 19. Jahrhundert diese Gewächshäuser. Heute nennen wir sie „alte Gewächshäuser“ aber deren Anlage war damals sehr innovativ.
Sie bestehen aus drei miteinander verbundenen Räumen und sind mit großen Glasfenstern ausgestattet, die man öffnen kann, um Luft und Wärme zirkulieren zu lassen. Jeder Raum hat einen Kamin und auf der Höhe des Fußbodens befinden sich kleine Düsen, die warme Luft im ganzen Gewächshaus verteilen. Früher wurden die Kamine mit Gartenabfällen befeuert, die man in großen Kästen hinter den Gewächshäusern sammelte.
Kurz gesagt, im 19. Jahrhundert konnte der Garten seine eigenen Ressourcen nachhaltig und effizient nutzen.