2. Die Ursprünge des Gartens

Trascrizione

Warum sammelt man eigentlich Pflanzen?

Die Universität Padua wurde 1222 gegründet. Die Stadt etabliert sich schnell als eine der Kulturhauptstädte in Europa und wird 1405 Teil der Republik Venedig. Der Botanische Garten entsteht später, im Jahr 1545, und damit mitten im Zeitalter der Renaissance.

Unter dem Schutz Venedigs, das in dieser Zeit buchstäblich das Zentrum der Welt war, profitierten wir von einem Monopol: Venedig beschloss die besten Köpfe in Padua zu konzentrieren. 1492 wurde ein Professor aus Florenz, dem hier die Lehrerlaubnis entzogen worden war, sogar eingesperrt, um zu verhindern, dass er seinen Beruf woanders ausübte.

Wie du verstanden haben wirst, entsteht der Botanische Garten aus echter wissenschaftlicher Neugier. Er sollte aber auch die Handelsinteressen Venedigs schützen. Die Republik Venedig wollte nicht nur den Handel, sondern auch das Wissen über Pflanzen kontrollieren, die, damals wie heute, für die Ernährung, die Medizin und das Wohlbefinden unverzichtbar waren.

Die Idee, einen Botanischen Garten anzulegen, kam von Francesco Bonafede und vielleicht sogar vor allem von seinen Studenten aus einem Studiengang, der Lettura del Semplici genannt wurde. Mit dem Wort Semplici bezeichnete man heilende Substanzen aus der Natur.

Bonafedes Unterricht war sehr theoretisch, was in dieser Zeit und in diesem Umfeld unvermeidbar war. Wenn es darum ging, Pflanzen zu zeigen, musste er sich vor allem auf Texte mit Bildern verlassen, die manchmal unpräzise waren, mit zu ungenauen und zu subjektiven Beschreibungen. Bücher reichten daher nicht aus: Mann musste „richtige“ Pflanzen studieren. Aber wie macht man das?

Einige Jahre zuvor hatte der Professor der Medizi Giovanni Battista Da Monte, im Ospedale di San Francesco Grande, ganz hier in der Nähe, seine Studenten zum ersten Mal zu kranken Menschen geführt. In Padua setzte sich damit die wissenschaftliche Methode durch. Ideen und Theorien mussten sich von da an der Realität messen.

Bonafedes Idee sah so aus: Man brauchte einen Ort, an dem man Pflanzen kultivieren konnte, um sie dann zu beobachten. Sein Vorschlag wurde sofort angenommen und 1545 gründete man einen Horto medicinale. Die venezianischen Kaufleute brachten merkwürdige Gewürze, niemals zuvor gesehene Blumen und unbekannte Pflanzen. Bonafede und seine Studenten standen direkt vor dem, was sie im Unterricht untersuchen wollten: Der Garten lehrte sie, zu sehen und zu verstehen, zum Beispiel wenn es darum ging, Gewürzhändler, die gefälschte Arzneien mit Pflanzen ohne heilende Wirkung zubereiteten, für ihre Betrügereien zu bestrafen.

Der Garten stand allen offen. So etwas hatte man noch nie gesehen. Die Gärten der Klöster oder der Schlösser des Adels waren private Orte. In Padua hatten Dozenten und Studenten dagegen freien Eintritt. Um es genau zu sagen: nach dem 25. April und nicht vor 10 Uhr vormittags.